„Digitalisierung ist für uns ein Werkzeug, kein Ziel.“

Netempire Software GmbH

Digitalisierung ist für uns ein Werkzeug, kein Ziel.

Seit 2001 entwickelt die Netempire Software GmbH maßgeschneiderte Softwarelösungen für Kunden wie die Deutsche Post, das Logistikunternehmen DHL oder Auftraggeber aus dem Finanzsektor. Das Unternehmen mit Sitz in Rösrath-Hoffnungsthal gehört zu den Innovationstreibern in der Region, sowohl bei seinen Dienstleistungen und Produkten, als auch bei seinen Arbeitsbedingungen. Im Gespräch erläutern Kim Bauer und Andreas Nettesheim aus der Geschäftsführung, was Digitalisierung mit Unternehmergeist zu tun hat.

Frau Bauer, Herr Nettesheim, welche Chancen bieten sich Unternehmern durch die Digitalisierung?
Andreas Nettesheim: Die Digitalisierung bietet Unternehmen vor allem die Möglichkeit, gute Ideen und erfolgreiche Geschäftsmodelle zu skalieren. Das heißt: Als Unternehmer bin ich dank digitaler Technologien häufig in der Lage, schneller zu expandieren und einen größeren Markt zu erreichen. Grundsätzlich ist es aber immer noch am Unternehmer selbst, ein Problem im Leben von Menschen zu erkennen und an einer guten Lösung für dieses Problem zu arbeiten. Ob das digital oder analog stattfindet, ist zweitrangig. Digitalisierung ist aus unserer Sicht ein Werkzeug, kein Ziel an und für sich.

Kim Bauer: Das sehe ich genauso. Es geht doch als Unternehmer darum, die Nutzerperspektive einzunehmen. Ich muss verstehen, welche Herausforderungen meine Kunden in ihrem Alltag beschäftigen und was ich ihnen bieten muss, damit sie erfolgreich sein können. Nur so kann ich aus Ideen echte Lösungen entwickeln. Daran hat sich bei aller Digitalisierung auch in den letzten Jahren nichts Wesentliches verändert. Probleme zu lösen war schon immer die Kernaufgabe eines Unternehmers.

Sie würden also sagen: Mehr Unternehmergeist statt mehr Digitalisierung?
Andreas Nettesheim: Absolut. Die digitale Transformation findet ohnehin statt. Es ist in den Köpfen der meisten Deutschen aber noch nicht richtig verankert, wie wichtig das Unternehmertum für unsere Gesellschaft ist. Wir brauchen auf breiter Front Menschen, die Chancen erkennen und Innovationsprozesse anstoßen. Solche Menschen nennen wir hier am Campus in Hoffnungsthal Trüffelschweine – Frauen und Männer, die Dinge radikal in Frage stellen und besser machen wollen. Und auch hier ist es völlig egal, ob es sich um digitale oder analoge Innovationen handelt, die Haltung ist entscheidend.

Kim Bauer: Wirkliche Innovationsprozesse werden hierzulande allerdings oft durch Strukturen verhindert, die mehr darauf ausgerichtet sind, einmal erreichte Komfortzonen zu bewahren. Wer sich aber immer nur in seiner Komfortzone bewegt, der kann weder Neues entdecken noch Bestehendes besser machen. Innovation setzt dagegen die Bereitschaft voraus, Neuland zu betreten, auch auf das Risiko hin, dabei zu scheitern. Das gesellschaftliche Klima ist hierzulande leider so, dass wir viel zu sehr auf Misserfolge schauen. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass wir uns mehr darüber freuen, wenn jemand mit einer ambitionierten Idee scheitert, als dass wir uns gemeinsam mit diesem Menschen über den Erfolg freuen, weil er uns als Gemeinschaft weiterbringt. Hier ist ein echter Perspektivwechsel notwendig.

Stichwort Trüffelschweine: Für den Erfolg von Innovationen sind Menschen also immer noch wichtiger als Technologien?
Andreas Nettesheim: Technologien alleine können ja keine Probleme lösen. Dazu braucht es einen Verstand, der erkennt, wenn es an irgendeiner Stelle etwas zu verbessern gibt. Veränderungen sind immer von Menschen gestaltet worden und das wird auch in Zukunft so bleiben. Ein gutes Beispiel ist unsere Entwicklung yes®. Nutzer können sich mit yes® auf Basis ihres Onlinebanking-Logins bei Drittanbietern anmelden, bezahlen oder Verträge abschließen. Das Anlegen von zusätzlichen Nutzer-Accounts, Login-Prozesse und umständliche Authentifizierungsverfahren fallen weg. Auf diese Weise machen wir das Internet zugleich sicherer und komfortabler. Aber ohne, dass jemand sich an den gewohnten Prozessen stört und sich überlegt, wie wir sie besser machen können, kommt so eine Entwicklung nicht zustande.

Wie finden Sie denn die Talente, die bereit sind, nach Hoffnungsthal zu kommen, um mit Ihnen an Projekten wie yes® zu arbeiten?
Kim Bauer: Indem wir zum einen anspruchsvolle Themen und Aufgabenstellungen bieten. Und zum anderen, indem wir hier am Campus einen Ort schaffen, an dem sich Leute wohlfühlen und sich voll auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Kreativität und Ideen entstehen nur, wenn wir unseren Teams den Rücken freihalten und sie von organisatorischen Dingen wie der Kinderbetreuung befreien. Mit dieser Herangehensweise finden Mitarbeiter mit der richtigen Haltung zu uns. Denn mit Leuten, denen die Pause wichtiger ist als ihr Projekt, würden wir nicht erfolgreich sein können.